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„Mensch achte den Menschen“ - Humboldt-Schüler besuchen die Gedenkstätte Hadamar

Am 04.02.2020 begaben sich die Klassen 10G1 und 10G2 der Alexander-von-Humboldt-Schule im Rahmen des Geschichtsunterrichts in Begleitung ihrer Lehrer*innen Eva Korobow, Christian Hönig und Laura Tropp auf eine ganztätige Studienfahrt zur Gedenkstätte Hadamar.

Unter Berufung auf die Lehre von der "Rassenhygiene" waren alte und junge Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen während des Nationalsozialismus Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. Spätestens im Sommer 1939 war in der Umgebung Hitlers der Entschluss gefasst worden, geistig behinderte und psychisch kranke Menschen als "lebensunwertes Leben" zu vernichten. Die von den Tätern als "Euthanasie" bezeichneten Morde wurden systematisch geplant. Während des 2. Weltkrieges ließen die Nationalsozialisten die "Landesheilanstalt Hadamar" in eine Tötungsanstalt mit Gaskammer, Sezierraum und Verbrennungsöfen umbauen. Insgesamt starben hier über 15.000 Menschen.

Der erste Teil des Studientages bestand aus einer Begrüßungsrunde, in der die Schüler*innen über ihr bereits erlerntes Wissen über „Euthanasie“, ihre Erwartungen und Bedenken bezüglich des Workshops berichten konnten. Danach erfuhren die Schüler, wie es überhaupt zur Euthanasie gekommen ist und welche Menschen mit „grauen Bussen“ abgeholt und schließlich in Hadamar eingeliefert wurden.

Des Weiteren wurden die Jugendlichen auf einen Rundgang mitgenommen, der den Weg durch das Gebäude nachvollzog, den früher die Patienten erlebten. Jede Station wurde von der Leiterin des Rundgangs sowohl mit wichtigen Informationen als auch mit Fragen begleitet, die die Schüler aufgrund ihrer guten Vorbereitung aus dem Unterricht sowie von zu Hause gut beantworten konnten. Dabei hatten die Schüler*innen stets die Möglichkeit, nachzuhaken und Fragen zu stellen.

Nach einer einstündigen Mittagspause besuchten die Schüler*innen den Friedhof der Gedenkstätte, der der Tötungsanstalt früher als Massengrab diente. Zu entdecken war neben einer Mauer, die bereits früher stand, und mehreren Grabsteinen ein Denkmal mit der Aufschrift „Mensch, achte den Menschen“. Aus Respekt vor den Opfern, die dort begraben wurden, verließen die Schüler*innen den Friedhof, ohne ein Wort zu sagen.

Am Nachmittag durften die Schüler*innen in Gruppen arbeiten. Sie hatten die Wahl zwischen dem Erstellen einer kritischen Bildanalyse über Werbeplakate aus der früheren und heutigen Zeit und dem Bearbeiten von Fragen über Krankenakten der früheren Patienten. Die Ergebnisse wurden nach der Erarbeitungsphase im Plenum präsentiert und die Mitschüler durften Anmerkungen und Fragen äußern.

Aus der anschließenden Abschlussrunde ging klar hervor, dass es jeder Schüler und jede Schülerin erstens schätzt, in einer Demokratie zu leben, und zweitens, dass Denkmale wie Hadamar noch immer stehen, damit sich die Menschheit stets an ihre grausamen Fehler erinnert. Die Studienfahrt endete nach fünf Stunden mit einem gemeinsamen Gruppenfoto vor dem Eingang der Gedenkstätte, bevor die Jugendlichen den Heimweg antraten.

Bericht: Felix Haus