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„Ganz Ohr für deinen Ort“ - Humboldt-Schüler präsentieren Projektergebnisse

„Ganz Ohr für deinen Ort“ – dieser Titel eines Projekts der „Stiftung Zuhören“ in Kooperation mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ist jetzt an der Alexander-von-Humboldt-Schule Aßlar auf beeindruckende Weise mit Leben gefüllt worden. Mit dem Thema „Wetzlar und Aßlar zur NS-Zeit“ hatten sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10R1, die von ihren Geschichtslehrern Christoph Redmer und Zehra Karadeniz sowie den HR-Journalistinnen und Mediencoaches Juliane Spatz und Maria Bonifer unterstützt wurden, ein schwieriges Feld ausgewählt.

Vor der gesamten Schulleitung sowie einer Reihe von Lehrern, Schülern, Eltern und geladenen Gästen, darunter Wetzlars Oberbürgermeister Manfred Wagner und Matthias Nowack als Vertreter der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, gaben die Zehntklässler eine gut vorbereitete „etwas andere Pressekonferenz“, so Maria Bonifer. Hierbei präsentierten sie nicht nur Tondokumente mit Interviews, Umfragen und Reportagen, sondern interviewten sich auch gegenseitig auf der Bühne. Plamedi Mbanza und Zehra Alanli erwiesen sich zwischen den Einspielungen als wortgewandte Moderatoren.

Der Wechsel von im Vorfeld erstellten Beiträgen und einem lebendigen Livegeschehen auf der Bühne hielt nicht nur das Interesse der Zuschauer aufrecht, sondern gab auch Einblick in den Entstehungsprozess der Projektergebnisse und zeigte die persönliche Betroffenheit der jeweiligen „Experten“, aber auch die besonderen Herausforderungen, die die journalistische Arbeit für die Jugendlichen darstellte.

Um dem umfangreichen Thema, das bis auf einen Projekttag weitgehend im Rahmen des zweistündigen Geschichtsunterrichts bearbeitet werden musste, gerecht zu werden und die Arbeit in Kleingruppen zu ermöglichen, hatten sich die Schüler Unterthemen wie „Stolpersteine“, „Die NS-Geschichte der Goetheschule“ oder „Zwangsarbeit“ gewählt. So schlüpften sie in die Rolle von Straßenreportern und machten Umfragen, interviewten Experten wie den Leiter der Geschichts-AG der Goetheschule bzw. den Historiker Karsten Porezag, der schon einige Bücher zum Thema Nationalsozialismus in und um Wetzlar verfasst hat, oder redigierten einen Brief an Wetzlars Oberbürgermeister Wagner. Wie groß die Freude der Projektgruppe über die ausführliche Antwort des Politikers war, zeigte sich in spontan formulierten warmen Dankesworten einer Schülerin.

Als besonders eindringliche Darstellungsform erwiesen sich die „Biografischen Spots“, mit Musik und Geräuschen unterlegte fiktive Lebensgeschichten jüdischer Bürger aus dem heimischen Raum. „Wir haben nicht nur die Texte geschrieben, die auf wirklichen historischen Zusammenhängen basieren, auch wenn es die zitierten Personen so nicht gegeben hat, sondern in Zusammenarbeit mit Musiklehrer Christoph Daniel auch die Musik selbst produziert. Die Geräusche hat uns der HR zur Verfügung gestellt“, erläuterten die Schüler.

„Das Projekt war eine große Herausforderung für uns. Wir mussten uns ins Thema einlesen, auf Menschen zugehen, mit Musik arbeiten, Texte verständlich und in gutem Deutsch formulieren. All dies hat dazu geführt, dass wir uns viel intensiver als im normalen Unterricht mit einem Geschichtsthema auseinandergesetzt haben“, so das Fazit einer Schülerin, der die Begeisterung für das Projekt deutlich anzumerken war. „Das Thema Nationalsozialismus ist ungeheuer wichtig; alle Jugendlichen unseres Alters sollten sich damit beschäftigen und ihr Wissen erweitern, damit sich so etwas Schreckliches nie mehr ereignen wird. Auch wir werden unsere Kenntnisse noch weiter vertiefen“, ergänzte eine Klassenkameradin.

Besonders authentisch zeigte sich die Begeisterung der Schüler für das Projekt bei der abschließenden Fragerunde; spontan meldeten sich einige noch einmal zu Wort und machten deutlich, wie sehr ihre Recherchen und die Begegnungen mit Menschen außerhalb der Schule sie persönlich bereichert hätten.